In einer Gruppe. Die Kursteilnehmer arbeiten fast ausschließlich im Sitzen, im Stand und in der gehenden Bewegung und wenn notwendig auch auf dem Boden. Inhalt und Aufbau einer Stunde oder eines Kurses richtet sich nach den fachlichen Prinzipien und nach den Erfahrungsqualitäten der Atem- und Bewegungslehre. Erfahrungs- und Übungsstand der einzelnen KursteilnehmerInnen sind sowohl didaktisch wie methodisch zu berücksichtigen. Nicht die Leistung, sondern vielmehr das Entdecken, das Ausprobieren, das Erleben durch eigenes Tun und Üben steht in einer Atemgruppe im Vordergrund.

Eine weitere Möglichkeit ist das Lernen und Üben in einer Einzelarbeit. Dafür gelten dieselben Grundlagen. Die Hier-und-Jetzt-Situation des einzelnen Menschen und seine momentanen Zugangsmöglichkeiten bestimmen, welche Erfahrungsqualitäten des bewusst zugelassenen Atems geübt und vertieft werden können. Beim gesunden wie beim kranken Menschen kann je nach Möglichkeit mit dem Atem und der Bewegung gearbeitet werden. Denn bei beiden steht das differenzierte Bewusstwerden des körperlichen und des damit verbundenen seelischen Erlebens und die notwendige Integration in einen ganzheitlichen Entwicklungs- und Gesunderhaltungsprozess im Vordergrund.

 

Fluss und See

In der Gebundenheit und Begrenztheit der Bewegung und der Bewusstheit des materiellen Körpers wird es möglich, sich der Erfahrung des freien Fließens oder sogar dem Gedanken der Unendlichkeit anzunähern. Wie sehr braucht das Fließende die Grenze und umgekehrt die Begrenzung das Fließende? Über wachsendes Empfindungsbewusstsein wird Struktur, Form und Raumgestalt im körperlichen Dasein wach. Der Atem, der uns darin bewegt, lässt die Freiheit in der Begrenzung als notwendige Verbindung erahnen.
(Erika Kemmann)